Unterschiede der Barcodes im ÖPNV

Datum: 23.01.2025 | ÖPNV in Deutschland

So unterscheiden sich UIC und VDV-Barcode sowie der Motics

Seit der Einführung des Deutschland-Tickets gibt es Diskussionen im öffentlichen Nahverkehr – und zwar über den Barcode. Genauer gesagt streitet die Branche darüber, welcher Barcode zum Einsatz kommen soll. Der UIC-Barcode oder der VDV-Barcode? Wir sagen: der Motics. Doch was unterscheidet diese Standards eigentlich? Eine Erklärung.

Foto von der 14. Teilnehmerversammlung an (((eTicket Deutschland im November 2024

Am 28. November 2024 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der deutschen ÖPNV-Unternehmen in Köln zu einer außergewöhnlichen und außerordentlichen Teilnehmerversammlung. Ziel war es, über Sicherheitsstandards für das Deutschland-Ticket abzustimmen, da die Zahl der Betrugsfälle bei digitalen Tickets gestiegen ist.
Damit hat die Teilnehmerversammlung zum ersten Mal nicht nur über technische Entwicklungen zum Standard beraten, sondern Leitplanken für die Ausgabe von Tickets beschlossen. 

Gemäß dem Regelwerk von (((eTicket Deutschland, in dem alle Verkehrsunternehmen in Deutschland juristisch miteinander verbunden sind, ist das möglich.
Entscheidungen trifft diese Vollversammlung des Öffentlichen Verkehrs aber mit einem Quorum von 75 %. Diese hohe Hürde ist notwendig, da es sich um verbindliche Beschlüsse handelt, die u. U. Investitionen auslösen.

Einige wichtige Beschlüsse wurden gefasst, etwa zur Verschlüsselung der Kommunikation. Andere Punkte, wie die Sicherheit des UIC-Barcodes und die Einführung eines zentralen Produktverantwortlichen-Systems (ZPVS), wurden kontrovers diskutiert und vertagt.

Eine zentrale Frage bleibt jedoch offen: Soll das Deutschland-Ticket auch mit dem UIC-Barcode oder nur mit dem VDV-Barcode ausgegeben werden?

Die Rolle der Teilnehmerversammlung
VDV Barcode auf einem Handy

Der Unterschied zwischen UIC- und VDV-Barcode

Die beiden Barcodes unterscheiden sich vor allem in ihrem Einsatzbereich und den zugrunde liegenden Konzepten:

Der UIC-Barcode ist ein 2D-Barcode, der für den internationalen Fernverkehr entwickelt wurde. Er wird vom Internationalen Eisenbahnverband (UIC) herausgegeben, der Schienenfernverkehrsunternehmen registriert und eine öffentlichen Datenbank für die öffentlichen Schlüssel bereitstellt. Damit können dann Bahnunternehmen im grenzüberschreitenden Verkehr gegenseitig ihre Tickets auf Echtheit prüfen.

Die UIC gibt aber nur die Spezifikation heraus. Alles, was ein Verkehrsunternehmen für die Verschlüsselung, Sperren, Monitoring oder Regelwerk zwischen verschiedenen Unternehmen benötigt, muss selbst aufgebaut und betrieben werden. Da es sich meistens um nationale Schienenfernverkehrsunternehmen handelt, die in der Regel in staatlicher Hand sind, ist die Zahl der UIC-Anwender, die sich mit Ihren Nachbarn austauschen müssen, überschaubar.

UIC - International union of railways


Der VDV-Barcode ist auch ein 2D-Barcode und wurde speziell für den deutschen Nahverkehr entwickelt und ist Teil der VDV-Kernapplikation. Er ist eingebettet in die zentralen Hintergrundsysteme und das Regelwerk von (((eTicket Deutschland. Damit nutzt er dieselbe Sicherheitsinfrastruktur wie die der Chipkarten in Deutschland und ist für eine interoperable Verwendung von tausenden Unternehmen ausgelegt, die sich untereinander nicht kennen, aber vertrauen müssen. 

Da für die Nutzung des VDV-Barcodes lediglich ein Teilnehmervertrag und mindesten ein Sicherheitsmodul mit dem geheimen Schlüssel erforderlich ist, ist der VDV-Barcode für einen deutschlandweiten Einsatz deutlich günstiger als der UIC-Barcode. Die vollständige Nutzung aller Hintergrundsysteme und das zentrale Sicherheitsmanagement ist für Teilnehmer komplett inkludiert. Dazu gehören Verschlüsselung, Sperrungen, Kommunikation im gemeinsamen Netzwerk und das nationale Monitoring.

Dennoch haben alle Barcodes eine gravierende Schwachstelle: Barcodes aller Art können z. B. durch Screenshots kopiert und weiterverteilt werden. 

Whitepaper Anwendung von Barcodes im ÖPNV

Motics - der Kopierschutz für Barcode-Tickets

Um das Problem von kopierbaren Tickets zu lösen, hat der VDV (((eTicket Service im Auftrag der ÖV-Branche den Mobile Ticketing Crypto Service – kurz Motics - entwickelt. Dieses System verbindet die bestehende Ticketing-Infrastruktur mit den Smartphones der Fahrgäste. Er hat verschiedene Ausbaustufen, so dass Tickets visuell als Barcodes und in Kürze via NFC ausgegeben werden können.

Bei der ersten Ausbaustufe erhält der VDV-Barcode durch ein dynamisches Sicherheitselement einen Kopierschutz. Das Smartphone wird durch Motics in die Lage versetzt, selbst einen neuen Barcode zu erstellen. Dieser kann zum Beispiel mit einem Zeitstempel erzeugt werden, der sich alle 30 Sekunden erneuert. Wird das Ticket dann kopiert und verschickt, bleibt das dynamische Element stehen und kann auf einem anderen Handy nicht mehr erneuert werden. Kopierte Tickets fallen so bei Kontrollen sofort auf. Dieses Verfahren funktioniert auch, wenn das Smartphone des Fahrgastes offline ist.

Mehr zum Motics
infografik-Motics-W2W

Mittlerweile hat der Motics auch seinen Weg auch in die Google Wallet gefunden. In enger Zusammenarbeit mit Google, PaderSprinter und Ride wurden die Funktionalitäten von Motics erfolgreich in die Google Wallet integriert. So können Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde auch ihren Gelegenheitskunden ohne eigene App sichere Handytickets direkt aus dem Webshop anbieten.

2025 plant der VDV eTicket Service den ersten Feldtest mit Motics und NFC-Tickets. In dieser Ausbaustufe wird das gleiche Sicherheitsverfahren wie bei Chipkarten verwendet und erlaubt die kontaktlose Ticketprüfung via Funk. Chipkarten und Smartphones lassen sich dann exakt gleich kontrollieren. Ein Abscannen von Barcodes und prüfen von ID-Medien entfällt und beschleunigt die Ticketprüfung enorm. Damit kann der deutsche ÖPV die Barcodes in den Ruhestand schicken und moderne schnelle und sichere Tickets auf den Smartphones der Kunden verteilen.